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Plastische Chirurgie: Die Ära Olivari 1982 -1997

 Es war der 1.9.1982 an dem Herr Professor Olivari seine Tätigkeit als Chefarzt der neu gegründeten Abteilung für Plastische Chirurgie des Dreifaltigkeits-Krankenhauses in Wesseling begann. Mit ihm begannen als einzige Hilfen Sr.Antje sowie Lisa Sesterhenn, seine Sekretärin, die ihm beide noch heute zur Seite stehen.

Professor Olivari kam von der ersten deutschen Universitätsklinik für Plastische Chirurgie aus Köln, wo er als leitender Oberarzt unter Professor Schrudde arbeitete. Mit ihm und einigen weiteren Kollegen, gründete er 1968 die heute international hoch geschätzte „Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen“ und verhalf dem damals jungen Fachgebiet hierdurch zu einer wissenschaftlich orientierten Basis.

Wegen des geringen Bekanntheitsgrades der chirurgischen Möglichkeiten in der Plastischen Chirurgie, war es damals schwer, für die Etablierung neuer Abteilungen zu sorgen. So hatte es auch Professor Olivari zu dieser Zeit nicht leicht als Chefarzt in einer anderen Klinik Fuß zu fassen. Nur der Zusprache des Wesselinger Anästhesisten Dr. Eddy Boschkow, der Olivari noch aus gemeinsamen Zeiten an der Universitätsklinik Köln kannte, ist es zu verdanken, daß es zu der Bewerbung in Wesseling kam und er im September 1982 seine Tätigkeit als Chefarzt der Abteilung für Plastische Chirurgie beginnen konnte. Einen Monat später stieß Dr. Henryk Wickarzyk als Oberarzt zu ihm und begleitete ihn bis 1986.

Zusammen mit OP-Sr. Philomenia und OP-Sr. Annemie, seiner jetzigen Ehefrau, führten sie schwierigste plastisch chirurgische Eingriffe durch und verhalfen der „Latissimus-dorsi-Lappenplastik“ zu großem Erfolg und weiterer Verbreitung. Es handelt sich hierbei um eine von Professor Olivari 1972 selbst entwickelte Operationstechnik, bei der ein großer Rückenmuskel - gestielt an einem einzigen Gefäß - zur vorderen Brustwand verlagert wird. So können selbst große Defekte nach Krebserkrankungen oder Bestrahlungsfolgen mit zum Teil freiliegender Lunge oder Herz gedeckt werden, damit die Patienten wieder ein weitestgehend beschwerdefreies Leben führen können. Vor der Einführung dieser Technik waren die Patienten ihrem Schicksal überlassen - man konnte ihnen durch keine Operation helfen.

Für diese Inauguration wurde dem Professor 1988 den Ehrenpreis der Vereinigung der Deutschen Plastistischen Chirurgen verliehen. Mittlerweile gehört diese Operationstechnik zum Standardrepertoir eines jeden Plastischen Chirurgen und ist bisweilen weltweit tausendfach erfolgreich operiert worden.

 

Ebenso revolutionierend verhielt sich eine operative Neuentwicklung auf dem Gebiet des Morbus Basedow, einer Schilddrüsenerkrankung, die mit schmerzvollen „Glubschaugen“ einhergeht und weit verbreitet ist. Professor Olivari wurde zu Beginn seiner Tätigkeit am Dreifaltigkeits-Krankenhaus vom damaligen Chef der Inneren Abteilung, Herr Professor Mies, wegen seiner Frau um Rate gefragt, die stark unter diesen Basedow-Augen litt. Mies erklärte, daß sich zu viel Fett hinter dem Augapfel befindet und nun durch eine verstümmelnde, risikoreiche neurochirurgische Operation das Augenlicht gerettet werden sollte. Olivari verfolgte die Frage: „..wenn ich Fett am Oberschenkel entfernen kann und dieses nicht nachwächst, warum nicht auch am Auge...?“ und ein Gedanke war geboren, der zur Entwicklung der „Transpalpebralen Orbitadekompression“ führte. Die beiden Chefärzte waren sich einig und einige Tage später entfernte Professor Olivari mit einigem Herzklopfen über einen Schnitt - ähnlich wie bei einer Schlupflidoperation - das überschüssige Fett hinter dem Augapfel und Frau Mies erholte sich rasch von ihren Problemen

Seither wurde die Technik stetig weiterentwickelt und man kann mit Stolz feststellen, daß noch in diesem Jahr die tausendste Exophtalmus-Operation am Wesselinger Dreifaltigkeits-Krankenhaus durchgeführt werden wird. Damit ist Wesseling zu einer Pilgerstädte für Exophtalmus-Patienten aus aller Welt geworden, da hier bislang weltweit mit Abstand die meisten Operationen dieser Art durchgeführt werden. Gastärzte von allen Kontinenten reisen an, um diese technisch anspruchsvolle, mikrochirurgische Operation zu erlernen.

In Amerika wurde Herrn Professor Olivari für die beste klinische Neuentwicklung des Jahres 1991 eine hohe Auszeichnung verliehen und auf zahlreichen Kongressen für seine hervorragenden Ergebnisse auf dem Gebiet der Exophtalmus-Chirurgie gelobt. Es wundert also nicht, wenn er auf über 70 wissenschaftliche Veröffentlichungen, sieben Buchbeiträge, über 300 Vorträge im In- und Ausland sowie zwei selbst ausgerichtete große, internationale Kongresse zurückblicken kann.

 

Ein besonderes Merkmal seiner Abteilung ist sicherlich das große Spektrum an Operationen und Techniken, was er und sein Team abdeckt. Angefangen von kleinen ambulanten Eingriffen bis hin zu aufwendigsten, mikrochirurgischen Rekonstruktionen und Replantationen wird hier

alles beherrscht. Der Sprung in die große Mikrochirurgie gelang, als Herr Professor Olivari Herrn Dr. Eder 1992 vom größten mikrochirurgischem Zentrum Europas - Ljubljana, in Slovenien - nach Wesseling holen konnte.

Er brachte das Know-how und die Erfahrung mit, die er in seiner dortigen, langjährigen Tätigkeit hat sammeln können und wurde Ansprechpartner für plastisch-chirurgische Problemfälle in fast allen umliegenden Krankenhäusern und Universitätskliniken. Zusammen mit seinem Oberarztkollegen,       Dr. Dirk F. Richter, dem heutigen Chefarztnachfolger bauten sie die Abteilung kontinuierlich aus.

Sie hat heute 43 Betten und ist modernst ausgestattet.

Herr Professor Olivari wird uns weiterhin konsiliarisch hoffentlich noch lange Zeit zur Verfügung stehen und sich ansonsten der Musik, dem Sport und seinem Schiff in Kroatien widmen.