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Schönheitschirurgie: Schönheit ist machbar
 

DER SPIEGEL 41/2002
 

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aus Heft
41/2002
 

TITEL

Venus unterm Faltenhobel

Hautlaser und Botox-Spritzen machen die Schönheitsmedizin gesellschaftsfähig. Selbst kleine Makel werden ausgemerzt, die Kundschaft wird immer jünger. Nun steigen auch öffentliche Kliniken in das Geschäft ein. Chefärzte polstern Pos auf, Ordensschwestern helfen beim Facelift.

DER SPIEGEL

Morgens um sechs Uhr klingelt bei Dirk Richter, 38, der Wecker. Der Chefarzt isst ein Brötchen, steigt in seinen Saab und fährt zum Dreifaltigkeits-Krankenhaus in Wesseling bei Köln. 1865 wurde das Hospital von den "armen Dienstmägden Jesu Christi" gegründet. Nun fließt hier Blut für die Eitelkeit.

Der Kickboxer liegt bereits betäubt im OP-Saal 1. Seine Nase, durch mehrere Brüche platt gedrückt, soll gerichtet werden. Das macht ein Kollege. Richter sagt nur kurz "Hallo" und geht rüber zum "Bodylift".

Drei Stunden lang schneidet der Doktor mit langen S-förmigen Schnitten einer Frau ("Gewichtreduktion: 69 Kilo") überschüssige Haut ab, die herabhängt wie ein zu großer Bademantel.

Richter ist ein Erlöser und ein neuer Typ Arzt. Mit der Fettabsaugkanüle hantiert er, als führe er einen Violinbogen. Täglich sechs Operationen stehen auf dem Programm seines Teams. Der Chef strafft Oberarme und legt seinen "Kunden", wie er sie nennt, nach der Lidverkürzung (Dauer: 20 Minuten) kühlende Eisbrillen aufs Gesicht.

Oben auf Station wartet Anna-Maria Westmark, 42. "Es war im Oktober 1997, abends ging ich mit Kopfschmerzen ins Bett", erzählt die Hausfrau aus Ostfriesland. Morgens blickte sie in den Spiegel und erlitt einen Schock: "Ich sah aus wie ein Frosch."

Bis heute ist nicht genau geklärt, wie es zum Morbus Basedow kommt. Infolge einer Autoimmunreaktion bläht sich plötzlich das Gewebe hinterm Auge auf und schiebt das Sehorgan aus der Höhlung hinaus. "Am Nachmittag stießen die Pupillen schon an die Brille", erzählt Westmark.

Nun liegt die Frau unter grellen OP-Lampen, die an ein startendes Raumschiff erinnern. James-Mary, die indische Ordensschwester, reicht Lupenbrille und Skalpell. Sanft fährt der Stahl durchs Oberlid. Gelbes Fettgewebe quillt heraus. "Der ganze Augapfel steht unter Druck", erklärt der Mediziner.

500 Basedow-Kranke hat Richter operiert. Vorbei an Sehnerv und Tränendrüse muss er sich bis tief in die Augenhöhle vorarbeiten. Das ist Spitzenchirurgie. Aus New York und von den Bahamas reisen die Patienten an. Heino war auch da.

Wie in Wesseling (43 Betten) läuft es immer häufiger: Das Krankenhaus, bislang ein Ort des Leidens, mutiert zum Ästhetiksalon. Unter dem Schlagwort "Komfort-Medizin" saugen Deutschlands Chefärzte Hamsterbacken ab und vergrößern Brüste.

 

behandlung von augenfalten mit Botox-Spritze
DPA
behandlung von augenfalten mit Botox-Spritze

Zur "narbenfreien Tränensackbeseitigung" lädt das Kreiskrankenhaus Starnberg. "Bodycontouring"? "Halsstraffung"? Im Bürgerhospital Frankfurt kein Problem. Umgeben von Nofretete-Büsten oder Nachdrucken von Botticellis Venus saugen, schlitzen und nähen selbst deutsche Universitätskliniker für den kosmetischen Endsieg.

Manche Korrekturen übernimmt die Kasse. Segelohren (bei Kindern) und Höckernasen gelten als psychologisch belastende Makel. Übergroße Busen, auch Schielen und Krampfadern schaden der Gesundheit.

Ansonsten muss der Patient selbst zahlen. 5000 Euro verlangt ein C4-Professor für die Bauchglättung. Ein gutes Facelift ist kaum unter 7000 Euro zu haben. Noch teurer ist die Haarverpflanzung: ab 10 000 Euro. Über 200 städtische Krankenhäuser sind an dem Deal beteiligt. Die Plastische Chirurgie in Stuttgart - es ist die größte in Deutschland - verfügt über 113 Betten. Wesseling empfängt seine Gäste mit Ledersesseln. Auf Station befinden sich Fax und Internet-Anschluss.

Je nach Vertrag steckt der Chefarzt zwischen 25 und 80 Prozent der Gage ein. Der Rest geht an die Krankenhausverwaltung.

Richter leugnet nicht: "Die Medizin ist zum Geschäft geworden."

Dafür wird Hightech geboten. Uni-Kliniker und staatlich geförderte Forschungsstellen denken sich immer neue Tricks aus:

 

  • Chirurgen in Aachen arbeiten am Traumbusen. Als Füllstoff dient in der Retorte vermehrtes Eigenfett.

     

  • In München werden (nach der Geburt geweitete) Taillen mikroinvasiv gestrafft.

     

  • In Freiburg ist es gelungen, ein zu drei Viertel zerfetztes Ohr mit "Haut aus der Tube" neu zu formen - und dem Besitzer wieder anzunähen.

So was fasziniert - und lockt die Patienten an. Eine unduldsame Offensive gegen alles Hässliche hat die Nation gepackt. 300 000 Deutsche lagen im vergangenen Jahr unterm Skalpell. Rekord.

Immer geschicktere Waffen kommen im Kampf gegen den körperlichen Verfall zum Einsatz. Vor allem die sanften Faltenkiller haben Zulauf. Vier Methoden werden von den Ärzten angeboten:

  • "Mikro-Dermabrasio" bezeichnet das Abtragen der Haut mit Bohrern, Schmirglern oder Raspelgeräten.

     

  • "Peelings" sind Säurekuren fürs Gesicht: Die Epidermis wird abgeätzt und zur Erneuerung gezwungen.

     

  • "Ästhetische Laser" vernichten mit energiereichen Lichtstrahlen Warzen, Feuermale oder Krähenfüße.

     

  • "Botox", ein Bakteriengift, lähmt die Stirnnerven und bekämpft so Sorgenfalten.

In den USA weisen die neuen unblutigen Techniken zur Hautverjüngung rasante Zuwächse auf. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Eingriffe um 60 Prozent gestiegen - auf fast sieben Millionen.

 

Schmollmund aus der Spritze
DER SPIEGEL
Schmollmund aus der Spritze

Jetzt greift der Trend auch nach Deutschland über. Die "wohlhabende Nachkriegsgeneration", die sich "im ersten Stadium des Durchhängens" befinde, erstürme die Praxen, berichtet das Fachblatt "Plastische Chirurgie". Dermatologen legen sich Blitzgeräte mit Namen wie "Rubinlaser" oder "Yttrium-Erbium YAG" zu. Im gleißenden Licht aus gelben, blauen und roten Strahlen tilgen sie Hautmakel.

Der Hamburger HNO-Arzt Wolfgang Friedrich, frisch zurück aus New York, hat von dort neue Peeling-Tinkturen mitgebracht. Trichloressigsäure, sagt er, sei in Kalifornien derzeit der Renner: "Damit ätze ich sogar im Dekolleté."

Keine Frage: In Deutschland ist ein Sturm in Gange. Ein Feldzug gegen die sichtbaren Zeichen des physischen Niedergangs hat die Bevölkerung erfasst. Alle müssen sterben - aber keiner will mehr alt werden.

"Gib meine Jugend mir zurück", heißt es im "Faust". Nun hat sich ein neuer Teufelspakt gebildet. Ein Verbund aus Ärzten, Pharmakonzernen und sehnsüchtigen Kunden strickt am Ideal des makellosen Menschen.

 

Ein kosmetischer Feldzug gegen den Verfall hat die Nation erfasst.

 

Insgesamt 5000 Mediziner sind an dem Projekt Venus beteiligt. Als Männer mit mystischen Eigenschaften, die Beine brechen und verlängern, hübsche Stupsnäschen basteln und den Menschen nach ihrem Bilde schaffen - so stellen sich die "Götter des Glücks" ("Bunte") gern dar.

Doch in Wahrheit herrscht Chaos. Stümper sind am Werk, wirtschaftliche Verteilungskämpfe belasten das Gewerbe. Kritiker beklagen, dass viele Schönheitschirurgen

  • keine Fachausbildung besitzen,

     

  • keine verbindlichen ethischen Maßstäbe kennen,

     

  • mit wenig erprobten Stoffen hantieren, darunter Extrakten aus Hahnenkämmen oder winzigen Plexiglaskugeln.

Hart an der Grenze zur Körperverletzung arbeitet die Zunft - und manchmal auch dahinter. Nach 22 Operationen starb der Erotikstar Lolo Ferrari, erdrückt von sechs Kilo Silikon. Bei 25 Liter Fett steht der Absaugrekord. Vor kurzem rammte ein Mediziner aus Dortmund einer Kundin die Kanüle in den Dünndarm. Die 49-Jährige starb. In Hannover verpasste ein Arzt einer 13-Jährigen einen Traumbusen.

"Unhaltbare Zustände", mahnt Hans-Ulrich Steinau an. Der Medizinprofessor aus Bochum steht der renommierten Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen (VDPC) vor. Wer in diesem Eliteverband Mitglied werden will, muss eine acht Jahre dauernde Facharztausbildung durchlaufen.

808 dieser Spezialisten sind in der Republik tätig. Früher kümmerten sie sich vornehmlich um Verbrennungen, abgerissene Gliedmaßen und Entstellungen nach Krebsoperationen. Nun aber beseitigen die Plastischen Chirurgen auch ästhetische Makel. 98 000 kosmetische Operationen zogen sie im vorigen Jahr durch. Auch das ein neuer Rekord.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Weitere rund 200 000 Eingriffe, beklagt sich der Verein in einer internen Bilanz, würden mittlerweile von "Nichtfachärzten" abgewickelt.

In Zeiten gedeckelter Budgets diene der "ästhetische Eingriff" als "lukratives finanzielles Trostpflaster", schimpft Steinau. Seine Forderung: "Ärztekammern und Politik müssen endlich die medizinische Grauzone des schnellen Euro beseitigen."

Doch solche (nicht ganz uneigennützigen) Warnungen verpuffen klanglos im allgemeinen Getöse. Die Anti-Aging-Medizin ist zu einer Lawine angeschwollen. Alles drängt an die Fleischtöpfe. Dermatologen, praktische Ärzte, selbst Zahnärzte greifen zum Skalpell; sie erlernen in Schnellkursen die Liposuktion, das Absaugen von Fett, oder besuchen das Seminar "Facelifts for Beginners". Geübt wird an Schweineköpfen. Auch Heilpraktiker und Kosmetikstudios mischen mit.

Besonders rührig sind die HNO-Ärzte sowie die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, die vom Hals bis zum Scheitel schneiden und glätten. Viele dieser Fachleute gehören der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie (DGÄC) an. Ihr Präsident ist der "Kinn-Papst" Heinz Bull aus Krefeld.

Großartige Handwerker gehören der Organisation an, aber auch Aufschneider und ominöse Doktor Chics, die am liebsten bei laufender TV-Kamera arbeiten. Wer hier mitmacht, besitzt eine Yacht, fährt Porsche oder kleckert zumindest mit Kaviar.

Mitte September traf sich der Trupp in der Stadthalle von Heidelberg. Braun gebrannt, in Maßanzügen tauschten sich die Herren über "Plasmagels" und neuartige "Zauberfäden" aus, die "reife Haut straffen".

Solche Kongresse dienen vornehmlich der Werbung. Die DGÄC sei ein "Fußballverein", wo jeder mitmachen könne, heißt es in Ärztekreisen. Mitte Juni erlitt der Verband vor Gericht eine Niederlage. Wenn er die Berufung nicht gewinnt, muss er das Wort "Chirurgie" aus seinem Namen streichen.

Das stört die Mitglieder kaum, ihre Geschäfte laufen blendend. Zwar ärgerte sich vergangene Woche der Musiker Dieter Bohlen, dass ein "Doktor Schnipseldibipsel" seiner Naddel einen allzu knurpseligen "Wahnsinnsvorbau" verpasst habe. Doch schrecken tut das niemanden. Die Schönheitschirurgie, lockt der Italiener Pier Bacci, sei die "Chirurgie des Lächelns".

16 Prozent der Bevölkerung, so ergab eine Untersuchung der Uni Koblenz, sind unzufrieden mit ihrem Äußeren - und wollen diesen Missstand ändern.

Ob Glatze, schiefe Zähne oder Trichterbrust - schon die Zahl angeborener Schwächen des menschlichen Körpers ist Legion. Den einen stört die Höckernase, der andere ist nur 1,50 Meter groß.

Und dann das Altern: Rund zehn Kilo wiegt die Haut eines Erwachsenen, die ab dem 35. Lebensjahr zunehmend der Schwerkraft gehorcht. Sie welkt und knittert. Rauchen, Suff und Sonne, alles, was Spaß macht, befördert die Faltenbildung.

Die Bereitschaft, solche Makel als gottgegeben hinzunehmen, sinkt rapide. Cyrano de Bergerac, der Reimeschmied mit dem Riesenzinken, hat als Modell ausgedient. Der moderne Mensch lässt sich lieber in Dämmerschlaf versetzen, eine Rhinoplastik bauen und spricht danach Prosa.

Und er kann auf Hilfe hoffen. Ein erstaunliches Arsenal an Hightech-Werkzeugen hat die moderne Medizin ersonnen, um Runzeln und ausgeleiertes Bindegewebe zu bekämpfen. Die Hoffnung, mit mehr Frische und straffen Gliedern alt zu werden, gewinnt an Realität.

Mit Mikrokanülen (Durchmesser: 0,4 Millimeter) spritzen die Mediziner heute Lippen auf. Sie stoppen mit Hochfrequenzwellen Blutungen und führen beim Facelift winzige Zangen unter die Haut.

Noch in den achtziger Jahren klagte Hildegard Knef nach einem verunglückten Facelift: "Mein Gesicht sieht aus, als wäre ein Bulldozer drüber gefahren." Auch Dagmar Berghoff fand ihre Operation gar nicht komisch. Gleichwohl musste sie danach immer lächeln.

 

Endoskopisches Stirnlift
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Endoskopisches Stirnlift

Inzwischen sind großflächige subkutane Schnitte out. Einige Kliniker straffen das Mittelgesicht heute vom Unterlid aus. Brustimplantate werden durch die Achsel oder gar den Bauchnabel vorgeschoben. Ein Stirnlift der Extraklasse bietet die Chirurgin Constanze Neuhann-Lorenz. Mit endoskopischem Gerät löst sie die Kopfhaut vom Schädel ab, bis der Skalp wie eine Badekappe auf dem Knochen herumrutscht (siehe Grafik).

"Wir nutzten einen phantastischen Effekt", erklärt die Ärztin, die in ihrer Praxis in München pro Jahr fast 2000 Patienten behandelt. "Abgelöste, untergrabene Haut schrumpft." Falten am Hinterkopf etwa seien nach wenigen Tagen verschwunden.

Noch beherrschen nur wenige Fachleute die im US-Staat Atlanta entwickelte Methode. Eigentlich soll sie Männern helfen, deren Augenbrauen so stark herabhängen, dass es zu einer Sichtbehinderung kommt. Neuhann-Lorenz jedoch operiert "meist Frauen ab 40".

Aber auch die Liposuktion hat sich rasant verbessert. Anfangs als Foltertechnik verschrien, gilt sie heute als machtvollstes Instrument der Körperformer.

Zum 2. Teil

Rückschau: Keine 20 Jahre ist es her, dass Yves-Gérard Illouz, ein Frauenarzt aus Paris, auf die Idee mit der Saugkanüle kam. Fingerdicke Stangen rammte der Pionier, der gern mit Zigarre in den OP ging, in die Bäuche seiner aus der Form geratenen Patienten. Pumpen saugten Fettzellen ab, die in Blut schwammen. Ohne Vollnarkose war das nicht auszuhalten.

 

Fettabsaugung
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Fettabsaugung

Die heute übliche "Tumeszenz"-Technik geht eleganter vor. Kaum zwei Millimeter sind die stählernen Stäbe dick, mit denen die Ärzte in die Speckdepots eindringen (siehe Grafik ).

Zuerst muss der Doktor allerdings eine Lösung aus Kochsalz, Adrenalin und Schmerzmitteln in den Körper drücken. Bäuche, prall wie Melonen, entstehen so oder riesige aufgeschwemmte Schenkel, die dann weiß werden - Folge des Adrenalins, das die Gefäße verschließt.

Wegen der geschwollenen Konturen fehlt den Ärzten häufig die Übersicht. Sie saugen das Fett unregelmäßig ab. Bis zu 25 Prozent der Patienten steigen nach der Abheilphase entgeistert aus den Stützmiedern: Ihr Körper ist mit Dellen übersät.

"Lipojet" soll nun auch dieses Problem lösen. Der von der Schweriner Firma Pein hergestellte Apparat arbeitet wie ein Hochdruckreiniger. "Das Gerät spritzt mit 80 Bar Druck Flüssigkeit unter die Haut und pumpt sie sofort wieder ab", erläutert der Plastische Chirurg Hartmut Meyer.

Meyer, der in Hamburg eine Villenpraxis betreibt, führt mit dem Prototyp derzeit erste Tests durch. Es ist Montag, neun Uhr, und eine vorbestellte Kundin steht vor der Tür.

 

"Viele Politiker haben große Tränensäcke, das ließe sich für 2500 Euro leicht beheben."

 

Entkleidet legt sich die Studentin ("Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Flensburg") auf die Liege. An ihrem Gesäß wölben sich kleine Polster. Der Arzt umkreist sie mit dem Filzstift. "Schwach ausgeprägte Reithosen", doziert er und sticht mit dem Trokar in die Haut. Dann schlürft und zischt es.

Nur je 600 Gramm Fett werden der Frau aus den Schenkeln geholt. Selbst das Verschlanken von Waden, Doppelkinnen und Pausbacken soll der Lipojet wesentlich erleichtern.

Solche Fortschritte der Beauty-Mechanik bringen völlig neue Kunden. Vornehmlich junge Frauen mit anatomischen Detailproblemen klingeln bei Meyer an. Ein bisschen zu viel Bauch, der Busen zu klein, die Lippen zu schmal - gerade junge Mädchen werden vorm Spiegel schnell von Selbstzweifeln befallen.

"Die Patienten werden immer jünger", schwärmt Dimitrije Panfilov, der die Nofretete-Klinik in Bad Godesberg leitet. In den USA ist ein Fünftel der Patienten unter 35 Jahre alt.

 

Brustvergrößerung
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Brustvergrößerung

Angestoßen wurde dieser Trend nicht zuletzt von der Popsängerin Britney Spears, die sich im Jahr 1999 die Mammaria erweitern ließ: "In den Charts auf Platz eins, jetzt auch zwei Körbchengrößen weiter vorn", staunte "Bild", als die damals 17-Jährige - offiziell nach Knieproblemen - die Klinik verließ.

Und dann gibt es da noch Botox, die Wunderspritze aus den USA. Hausfrauen, Managerinnen, aber auch Piloten oder Banker gehen neugierig zum ästhetischen Chirurgen, um sich diese "kosmetische Einstiegsdroge" in ihre Zornesfalten oder Krähenfüße spritzen zu lassen, wie der Dermatologe Kay Nienstedt erzählt.

Bereits im Zweiten Weltkrieg ließ der britische Geheimdienst das Bakteriengift herstellen. Ein Esslöffel der Substanz ins Steinhuder Meer gekippt, entspricht der therapeutischen Verdünnung.

Der HNO-Arzt Friedrich zeigt, wie das Toxin angewendet wird. Während unten sein schwarzer Porsche im Halteverbot steht, greift der Arzt im blauen Joop-Hemd zur Mikrokanüle. Sie ist dünn wie ein Haar.

"Keine Angst, tut nicht weh", erklärt der Doktor und sticht einer Sekretärin winzige Tröpfchen in die Stirnmuskeln. Der Vorgang dauert keine fünf Minuten.

Drei Tage braucht das Mittel, ehe es wirkt. Dann ist die Stirn wie eingefroren. Der Preis pro Eingriff liegt bei 400 Euro. Friedrich: "Dieses Gift hat die Entscheidungsschwelle, zu uns zu kommen, enorm gesenkt."

Den Trend bestätigen auch andere Kollegen. Immer mehr Frauen - die meisten zwischen 35 und 45 - schauen bei den Frischmachern herein. Viele sind berufstätig, im Stress und von jüngeren Wadenbeißern umgeben. "Ich will nicht so müde aussehen", sagt die Unternehmensberaterin Ines Temme, 41.

Sind die Frauen erst einmal in den Fängen der Venus-Farmer, kommen sie schnell mit weiteren Angeboten in Kontakt. Da gibt es Faltenhobel, Schmirgelgeräte und - besonders trickreich - kleine Gebläse, die nach Art eines Sandstrahlers Mikrokristalle auf die Haut schleudern.

"Trau dich!" - das ist die Botschaft , die auch die Boulevardpresse unters Volk streut. "Papa schenkt mir heute einen neuen Busen", titelte "Bild". Die Tochter der Unesco-Botschafterin Ute Ohoven erschien im vorigen Juni plötzlich mit aufgeworfenen Schlauchboot-Lippen. Das Mädchen ist 17.

Rapide sinkt die Scheu, Pfirsichhaut und ewige Jugend mit dem Skalpell zu erzwingen - und das auch noch lauthals hinauszuschreien. Die Sängerin Michelle, 30, gibt vor, "stolz" auf ihre Plastikbrust zu sein. Verona Feldbusch brachte aus Hollywood eine neue Nase mit.

Und auch das männliche Geschlecht kann sich den Wirbeln des Beauty-Orkans kaum mehr entziehen. Uwe Ochsenknecht zurrte man am Schlupflid. Cliff Richard ließ sich Botox spritzen. Zlatko ist bekennender Fettabsauger.

Politiker kommen meist noch durch den Hintereingang. Wenn der Chefarzt Richter aus Wesseling, wie jüngst, eine SPD-Frau zur Bruststraffung empfängt, wird die Klinik abgeschirmt. Bei Petra Müller-Lange, Klinikchefin in Dortmund, erschien eine "bekannte Bundestagsabgeordnete" zum Entfernen von Hüftspeck. Namen werden nicht verraten.

Auf lange Sicht sieht die Chirurgin Neuhann-Lorenz gerade bei den Parteien gute Verdienstmöglichkeiten. "Viele Politiker haben große Tränensäcke", sagt sie, "das ließe sich für 2500 Euro beheben."

Wie sehr die Branche boomt, lässt sich an den Verkaufszahlen der Industrie ablesen: "Umsatzsteigerungen von jährlich 20 Prozent" vermeldet die Firma Polytech Silimed aus Dieburg, die pro Jahr 30 000 Silikonkissen auf den Markt wirft. Die schwersten wiegen zwei Pfund.

Auf Wunsch werden auch Gesäßpolster geliefert. "Die waren früher nur bei Homosexuellen angesagt", erklärt Firmensprecher Stephan Unkrig, "jetzt greifen auch viele Damen zu." Die Bälge werden von der Gesäßfalte aus seitlich eingesetzt.

Solche Aussichten auf satte Gewinne haben nun auch Großinvestoren angelockt. Mit Milliardenaufwand errichten sie derzeit in der Republik ein Netz aus privaten Schönheitskliniken. Allein der Klinikverbund Medical One hat in sieben deutschen Städten Anti-Falten-Center gegründet.

Wer die Häuser betritt, den umfängt eine Welt aus Marmor und Granit. In "Hightech-OPs" (Eigenwerbung) stöckeln Schwestern in blauen Kitteln umher. Im nächsten Jahr kommt Ratingen dazu, 2004 Dresden. Bereits am 1. August wurde auch in Berlin eine Zweigstelle eröffnet.

Überhaupt die Hauptstadt: Rasant schüttelt die Metropole ihren zwischen strähnigen Haaren, Currywurst und Mielke-Mief angesiedelten Charme ab. Vom Grunewald bis nach Weißensee zieht sich eine neue Phalanx an Hübschmachern.

Der Neu-Berliner wolle Botox statt Buletten, verrät Detlef Witzel, der im schicken Quartier 206 in der Friedrichstraße operiert. Die Wartezeit liegt bei sechs Monaten.

Wer es diskreter liebt, fährt 30 Minuten über Land nach Summt. Versteckt in einem Fachwerkgebäude, ist dort seit kurzem eine große Klinik für Plastische Chirurgie untergebracht, die "ultraschallgestützte Fettabsaugungen" und "Eigenfetttransplantationen" anbietet.

Mehrmals im Monat wechselt die OP-Mannschaft geschlossen zum Jüdischen Krankenhaus Berlin, wo sie betuchte Kunden bedient. Die Nachsorge findet in einer Praxis beim Potsdamer Platz statt.

Über Personalmangel brauchen die Jungbrunnen-GmbHs nicht zu klagen. Sie locken mit Geld. Ein Plastischer Chirurg, der als Oberarzt im Krankenhaus Unfallopfer oder Krebspatienten flickt, verdient 100 000 Euro im Jahr. In einem privaten Haus kommt er leicht aufs Doppelte.

Gute Chirurgen sind begehrt, vor allem in der Promiszene. Virtuosen mit begnadeten Fingern, wie der kalifornische Nasenchirurg Rollin K. Daniel, verdienen Millionen.

Der HNO-Arzt Werner Mang, 53, hat es allen vorgemacht. Seit 20 Jahren schon hält der "Edelschneider" ("Max") aus Lindau enge Tuchfühlung zur Glamourwelt. Mal steht er mit Schumi in der Boxengasse von Monte Carlo. Dann wieder hofiert er den Modedesigner Joop oder die Klitschko-Brüder.

Schönheitschirurgie sei "die Formel 1 in der Medizin", glaubt Mang, der gerade sein "Handbuch für Ästhetische Chirurgie" beim Medizinverlag Springer herausgegeben hat.

Jetzt lässt der Arzt am Ufer des Bodensees Europas größte Schönheitsfarm errichten. 50 Betten soll die Einrichtung haben, vier OPs, dazu Hörsaal, Forschungslabor, viel Edelstahl und Luxusbäder. Der Rohbau steht schon.

Ist Narzissmus die Neurose des neuen Jahrtausends? Droht der Untergang des Abendlandes? Kommt echte Schönheit nicht von innen?

Vor allem das gehobene Bildungsbürgertum verfolgt entsetzt die Entwicklung. Ein "pathologischer Kult" sei in Gange, meint die "Zeit". Die "taz" fühlt sich "von Silikonkissen verfolgt", die "Neue Zürcher Zeitung" hat gar ein neues Zeitalter ausgerufen - die Ära des "ästhetischen Rassismus".

Die pompös vorgetragenen Unmutsbekundungen haben in Wahrheit kaum Gewicht. Zumeist stammen sie aus der Feder glattwangiger Jungschreiber, die noch an die Weisheit des Alters glauben.

Fakt ist: Mitte 30 beginnt eine Tragödie, intrinsische Faltenbildung genannt. Glabellafalten und Hängebacken bilden sich. Der Bauch leiert aus und weitet sich zuweilen zur Fettschürze.

Die Veränderungen im Gesicht sind enorm. Die Stirn legt sich in Querfurchen. Das Wangengewebe rutscht ab. An der Oberlippe knittern Plisseefältchen. Die Unterkieferlinie erschlafft und verliert an Kontur.

Aus diesem Blickwinkel ist Altern Verfall - eine Art Zerbröseln bei vollem Bewusstsein. Und mit diesem Malheur hat sich der Homo sapiens noch nie abfinden können.

Wer ersehnte nicht, jung und schön zu sein? Fliegt dem Anmutigen nicht alles zu? Hat er nicht alles leichter im Leben?

Frauen mit vollen Lippen, schlanken Beinen, glänzendem Haar und glatter Haut, dazu einer "Waist-Hip-Ratio" von 0,7 (die Hüfte verjüngt sich zur Taille um etwa ein Drittel) - das ist die Anatomie, die der Mann nach Ansicht von Verhaltensbiologen begehrt. Schönheit sei stets der Königsweg zum schnellen "sozialen Aufstieg" gewesen, schreibt der Soziologe Bernd Guggenberger.

Aber auch inhaltlich ist es falsch, den Beauty-Kult als modernen "Leitwert einer Kultur des Konsumismus" ("Zeit") zu geißeln. Denn in Wahrheit hat die Vergötterung des Körpers eine lange Tradition.

Schon am Ursprung des Abendlandes stritten Griechenlands Heerscharen für die hübsche Helena. In klassisch-gültiger Form besingt Homer die Schönheit als letzten benennbaren Grund im Kampf um Ehre und Macht.

Von Öl triefend, die Haut geschmeidig und glänzend, so liefen in Memphis und Babylon die Menschen umher. "Schmücke dich, so schön du kannst, dich salbend mit den echten Wunderdingen Gottes", heißt es in einem ägyptischen Papyrus aus dem Neuen Reich.

In Griechenland nahm der Kosmetikwahn derart überhand, dass Solon, der Vater der Demokratie, um 600 vor Christus den Verkauf von Salben verbot. Ähnlich reagierte Sparta und vertrieb jene Händler, die Bienenwachs und Schweinefett zu wohlriechenden Pasten mischten.

 

Mit einer Energiedichte, die selbst Stahl schmelzen könnte, fetzt der Infrarotstrahl auf die Epidermis.

 

Schwarze Augenschminke - meist aus Bleisulfid und Ruß gemixt - ist ein Erbe Steinzeit. In der 6. Dynastie kam der blaue Lidstift in Mode. Hiob nannte seine dritte Tochter "Schminkhörnchen".

Und auch der liebe Gott, den moderne Kritiker gern gegen den Körperkult ausspielen, hielt vom Hässlichen wenig. Mit Edelleibern schritten die gesalbten Könige David oder Saul einher. Mose (Exodus 2,2) sah schon als Baby ungewöhnlich niedlich aus. Fazit der Bibelforscher: Zwischen Schönheit und Erwählung existiert ein Wechselverhältnis.

Als erotischen Suchtcharakter, der Vollkommenheit anstrebt, so hat Sokrates den Menschen beschrieben. Antike Bildwerke des Phidias, aber auch Michelangelos David und der Kopf der Nofretete spiegeln etwas von dieser Gier nach fleischlicher Vollendung.

Die chirurgischen Mittel zum Bau von Traumkörpern besaß die Antike allerdings nicht. Galen, Arzt in Rom, soll zwar Nasen gerichtet haben. 1597 gelang es dem Italiener Gasparo Tagliacozzi, Hautlappen auf andere Körperteile zu übertragen - die Urform der Transplantation.

Aber erst im Ersten Weltkrieg vollzog sich die Geburt der Plastischen Chirurgie. An Gesichtern, die im Hagel von Schrapnellen zerrissen wurden, übten die Ärzte die Kunst der Neu- und Umformung von Körperteilen.

Im Fokus des Farbfilms ging die Saat dann auf. Hollywood forderte, speziell für die Nahaufnahme, makellose Gesichter. Greta Garbo solle sich die Zähne richten lassen, befahl etwa der MGM-Studioboss Louis Mayer.

Von Marilyn Monroe ist bekannt, dass sie sich ein "Knöllchen auf der Nasenspitze" entfernen und "einen kleinen Fehler an der Kinnpartie mittels Knorpel" korrigieren ließ, wie der Schriftsteller Norman Mailer verriet. Hinweise, die Brüste der Blondine hätten - infolge von injiziertem Flüssigsilikon - kurz vor ihrem Tod genässt, stimmen wohl nicht.

Viel Blut ist seitdem geflossen. Ende der siebziger Jahre schimpfte Jane Fonda über die vielen "aufblasbaren Gummititten" in Hollywood. Als ihr Mann sie verließ, besorgte sie sich selber welche.

Pamela Anderson nahm Silikon, Meg Ryan Kollagen, Madonna Botox. Schwerste Lifts wie das Zurechtzurren des Knitterbäuchleins, niedlich "Tummy tuck" genannt, lassen die Filmstars über sich ergehen. Die Sängerin Cher hofft: "Ich will, dass man mir noch mit 60 nachpfeift."

Den Mitbegründer der ästhetischen Chirurgie in Deutschland, Gottfried Lemperle, 66, der jetzt an der University of San Diego lehrt, befällt zuweilen die Schwermut. "Der ganze Strand ist voll von künstlichen Körpern", sagt er, "jede zweite Frau hier ist operiert." Im Vorort La Jolla, wo der Professor mit seiner Familie lebt, arbeiten 47 niedergelassene Schönheitschirurgen. Nur in Beverly Hills ist die Dichte noch höher.

Triumphiert die "California Culture" auch hier zu Lande? Lieber glatt und glücklich als faltig und frustriert?

Ein Blick auf die neuesten Statistiken lässt kaum einen Zweifel. Alles spricht für weitere Expansion. Zudem: Die Wunderkiste der ästhetischen Chirurgie ist gerade erst geöffnet.

Nahezu dramatische Fortschritte hat die Lasertherapie gemacht. Noch vor zehn Jahren war die Technik fast unbekannt. Heute dagegen blitzt und surrt es in den Hautpraxen der Dermatologen wie beim "Krieg der Sterne".

Christian Raulin, Hautarzt in Karlsruhe, schießt mit 15 verschiedenen Strahlenschleudern seinen Patienten Muttermale, Warzen oder Falten aus der Haut. Zu seinen Kunden gehören Kinder mit Blutschwämmen ebenso wie 80-jährige Frauen, die sich vor der Kreuzfahrt die Altersflecken von den Händen entfernen lassen. "Richtig eingesetzt", sagt Raulin, "ist der Laser ein sensationelles kosmetisches Instrument."

Das gilt besonders für das stärkste Geschütz, den Kohlendioxidlaser. Mit einer Energiedichte, die selbst Stahl schmelzen könnte, fetzt der Infrarotstrahl auf die Epidermis. Hernach sieht sie aus wie eine riesige Schürfwunde.

Mit geschwollenem Antlitz, den Kopf in einen Netzverband gehüllt, verlässt der Patient die Praxis. Kalte Kompressen und Vaseline lindern den Schmerz. Am fünften Tag folgt das Wunder. Die nässende Kruste regeneriert. Weiche Frischhaut schält sich hervor.

Bei Rauchern und früh verrunzelten Solarbankfans wirkt die CO2-Kanone besonders gut. Der Hitzestrahl dringt bis in die unterste Hautschicht ein und zerstört dort Kollagenfasern. So entstehen kleine Narben, die die Haut wie ein Gummiband zusammenziehen und straffen.

 

Schönheitschirurgen sind Umweltverschmutzer: Sie kontaminieren den Homo sapiens mit Fremdstoffen.

 

Die Dermatologin Andrea Olbing, die in der Burg Arras, hoch über der Mosel, ein Laserinstitut betreibt, vermeldet starken Zulauf auch von Männern. Bei ihr treten Herren mit Rückenfell zur Enthaarung an, "aber auch Schwimmer oder Radfahrer".

Den lästigen Bewuchs vernichtet die Dermatologin mit "ultragepulsten Blitzlampen". Groß wie Waschmaschinen sind die Apparate, die wenige Nanosekunden lange Flashs aussenden. Die Follikel in der Haut werden so zum Kochen gebracht und sterben ab.

Gleichwohl mahnen die Experten zur Vorsicht. Bei unsachgemäßer Anwendung hinterlassen die Lichtbombardements weiße Flecken, die gefürchtete "Alabasterhaut".

Schlimmer sind jene Wunden, die der Laser anrichtet, wenn er zu tief in die Haut eindringt. "Wer nicht aufpasst, fügt seinen Patienten Brandflecken und Keloide, rote Wulstnarben, zu", sagt Raulin. Der Wahlspruch der Mediziner, "nil nocere" ("nicht schaden"), sei gerade bei der Lasertherapie zu berücksichtigen.

Doch genau hier hapert es. Ohne klare ethische Maßstäbe, häufig mit unzureichender Fachausbildung, schmirgeln und schnetzeln die deutschen Schönheitsärzte an ihren Patienten herum. Über die Zahl der Kunstfehler, die dabei passieren, ist nichts bekannt. Nur an den Versicherungsprämien, die die Ärzte zahlen müssen, lassen sich die Unfälle ungefähr abschätzen.

Die Münchner Spitzenchirurgin Neuhann-Lorenz muss pro Jahr 5500 Euro bezahlen, um ihr Kunstfehlerrisiko abzudecken. "Die meisten anderen Kollegen", erzählt sie, "zahlen das Doppelte."

Bedenkenlos werden auch Leute mit gestörten Wünschen behandelt. "Vor kurzem kam ein Patient schwer verletzt in meine Praxis", erzählt der Berliner Plastische Chirurg Klaus Plogmeier, "ich bat ihn, sich zu entkleiden." Was er dann sah, schockierte selbst den erfahrenen Arzt. "Dem Mann war der Penis verlängert und mit Eigenfett aufgespritzt worden", erzählt er, "das Organ war entzündet und drohte abzufallen."

Das sind die Niederungen des Gewerbes, der Bodensatz, der Sumpf. "Wanderärzte" irrlichtern durch die Szene. In Wuppertal wurde die Felderbach-Klinik nach einem Todesfall geschlossen - sie war in Baucontainern eingerichtet.

Embolien, Thrombosen, Blutvergiftungen - lang ist die Liste der "Kollateralschäden", die Plogmeier aufzählt. Immer wieder warnen verantwortungsvolle Ärzte vor dem allzu leichtfertigen Wetzen der Messer. Patienten mit einer gestörten, "dysmorphen" Körperwahrnehmung, warnt die VDPC, dürften "auf keinen Fall" behandelt werden.

Prototyp für diese Art Kundschaft ist Michael Jackson. Etwa 20 Eingriffe widmete der Popstar allein seiner Nase. Es war der Chirurg Steven Hoefflin aus Santa Monica, der die Aufgabe erhielt, aus dem Riechorgan ein Stupsnäschen zu zaubern.

Im Lauf des OP-Marathons kam es zu schlimmen Zwischenfällen. Der Mundschutz, den Jackson häufig trägt, diente auch dazu, die bei dem Gemetzel entstandenen Probleme zu verschleiern.

Der Stuttgarter Chirurg Rolf Münker ("Ich habe 3000 Rhinoplastiken gemacht") verrät Details über den Fall Jackson. "Dem Sänger ist der Nasenrücken so verschlankt worden, dass am Ende die Spitze abfiel", erzählt er. "Das ist wie bei einem Zelt: Wenn sie zu viel Stangen herausziehen, fällt es um."

In seiner Not griff Hoefflin zu "einer Silikonstütze", so Münker. Schließlich sei das Nasenbein mit "Knorpel aus dem Ohr" aufgefüllt worden. Zwischendurch bildeten sich immer wieder Löcher am verkürzten Hautmantel. Am Ende konnte das Organ halbwegs stabilisiert werden. Allerdings sieht es jetzt aus wie ein angenagelter Salzstreuer.

Mit den Standesregeln des Heilberufs lassen sich solche Aktionen nicht vereinen. Zu "Nutz und Frommen der Kranken" ist der Arzt durch den hippokratischen Eid verpflichtet. Der Schönheitschirurg aber schneidet in gesundes Fleisch.

Obendrein werden auch Materialien in den Körper gepackt, über deren Langzeitwirkung wenig bekannt ist. Jeder ästhetische Chirurg ist eine Art Umweltverschmutzer: Er kontaminiert den Homo sapiens mit Fremdstoffen.

Beispiel Silikon: Etwa 35 000 Frauen lassen sich pro Jahr in Deutschland die Brust vergrößern. Der Eingriff dauert kaum 90 Minuten. In manch einem öffentlichen Krankenhaus geht es zu wie in einer Polsterei. Die neuesten Implantate haben eine Oberfläche aus Schaumstoff.

 

"Wenn die Mutter zustimmt, kriegen bei mir auch 17-jährige Mädchen eine neue Oberweite."

 

Schon 1962 wurde das erste Kissen verpflanzt. 1992 folgte der Schock: Wegen angeblicher Gesundheitsgefahren wurde Silikon in den USA vom Markt genommen. Dort ist als Füllstoff nur noch Kochsalzlösung erlaubt. Die aber gluckert beim Sex.

Viele Frauen griffen daraufhin zu Sojaöl. Das jedoch erwies sich alsbald als erbgutschädigend. In Eilschreiben riet im Juni 2000 das britische Gesundheitsamt zum schnellen Entfernen der Implantate.

Insgesamt etwa 11 000 Frauen sind von dem Alarm betroffen. Sie haben sich Soja-Kissen der Marke Trilucent einbauen lassen. Nun wird der Hersteller mit wütenden Anrufen überschüttet. Die Frauen müssen sich erneut die Brüste aufschneiden lassen.

Zu allem Überfluss erwies sich die Silikon-Warnung noch als falsch: Eine Studie an 13 500 Frauen, die im vorigen Jahr das National Cancer Institute der USA vorlegte, beweist eindeutig: Silikon erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken, in keiner Weise.

Ein Freibrief zum Vergrößern von Busen ist das dennoch nicht. "Der Körper versucht, die ovalen Beutel einzukapseln", erklärt der Fachmann Unkrig. Harte Knötchen, die Fibrome, entstehen. Fast jedes Kissen wird auf Dauer wie von einer Kralle zusammengedrückt. Resultat sind "Kugelbrüste", die unnatürlich abstehen.

Aber auch die Füllstoffe zum Unterspritzen von Falten stecken voller Probleme. Zentnerweise kommen die Gels in den Arztpraxen zum Einsatz. Über ihre Langzeitwirkung ist wenig bekannt.

Am besten erforscht ist noch jener Stoff, den die Firma Collagen Aesthetics auf einer Farm in Minnesota erzeugt: Abgeschirmt hinter hohen Zäunen, grasen dort große Rinderherden. Im Alter von 18 Monaten trotten die Tiere ins Schlachthaus. Aus ihrem Fell wringen Chemiker einen Saft, der wie Leim aussieht - das Kollagen.

Abgefüllt in Ampullen (Preis: 100 Euro pro Stück), schafft der Konzern das Material über den Atlantik. Dann wird es von den Ärzten auf Spritzen gezogen und unter Hautfalten oder in Lippen gedrückt.

In Europa ist der Füllstoffklassiker jetzt in arge Bedrängnis geraten. Fast ein Dutzend neue Substanzen sollen dem Kollagen Marktanteile abnehmen. Zu den Konkurrenten gehören Pasten aus Hühnerknorpel, Plexiglas und - ganz neu - ein Plasmagel, das aus Eigenblut hergestellt wird.

Die in Kiew entwickelte Glibbermasse Aquamid befindet sich gerade in der Großerprobung. Interessierte Ärzte werden vom Hersteller in Hotels und Kongressräume geladen. Dort lernen sie an Schweineohren, wie man das aus 97,5 Prozent Wasser bestehende Gel richtig injiziert.

Werner Mang, der Falten-Terminator vom Bodensee, hält von alledem nichts. Er singt das Hohelied vom Eigenfett. Seine Oberärzte saugen aus Bauch und Hüften Speck ab und reinigen ihn in speziellen Drehtrommeln. Das so aufbereitete Fettgewebe wird den Patienten dann sofort zurückgespritzt - etwa in den Hals oder in die Lippen.

Erst vor acht Jahren hat Sidney Coleman, ein Chirurg aus New York, die Methode ersonnen. Viele loben sie als bahnbrechende Entwicklung.

In Wahrheit aber hapert es auch hier. Nur etwa 30 Prozent des Fetts wachsen an. Den Rest spült der Körper wieder aus. Bereits in den achtziger Jahren waren Ärzte auf die Idee gekommen, Frauen Speck aus dem Po in die Brüste umzuspritzen. Eklige Ölzysten waren die Folge.

Angesichts dieser Unwägbarkeiten wäre Zurückhaltung geboten. Trotzdem mischen zunehmend auch renommierte Fachärzte beim Geschäft mit dem Eigenfett mit: Der Chefarzt Richter aus Wesseling spritzt es in alte Hände. Im Johanniter-Krankenhaus in Bonn werden damit Busen aufgepumpt.

Die "Plastiker" (Branchenjargon) geben sich zwar gern als Helfer aus, die die Seele von den Übeln des Leibes befreien. "Wir korrigieren angeborene Schwächen und schaffen so ein positives Lebensgefühl", erklärt der Arzt Edgar Biemer vom Münchner Klinikum rechts der Isar.

"Was meinen Sie, wie glücklich wir viele Menschen machen?", sagt auch der Stuttgarter Professor Michael Greulich, in dessen Haus jeden Tag nahezu hundert Menschen operiert werden. "Selbstbewusst, frisch und strahlend" würden seine Kunden zur Nachsorge erscheinen. Greulich: "Wenn der Makel weg ist, entsteht ein ganz neues Selbstbewusstsein."

Das ist zwar richtig. Die Körperformer lindern auch schlimmes Leid. Sie behandeln Buckel und richten Triefaugen. Manche Frauen haben völlig asymmetrische Brüste ("Amazonen-Syndrom"). Andere - ohne ein Gramm Drüsengewebe - sind flach wie ein Brett.

Aber die Grenze ist fließend. Zunehmend wagen sich die Fachleute von der VDPC an fragwürdige Eingriffe. Da wird jungen Türkinnen das Jungfernhäutchen rekonstruiert oder Hausfrauen am Venushügel Speck abgesaugt.

300 Haartransplantationen zogen die Chirurgen der VDPC im vergangenen Jahr durch. Sie bauten Kinne aus Hartplastik und poppten Falten mit Hilfe von implantierten Goldfäden auf. Der Plastische Chirurg Münker gibt zu: "Wenn die Mutter zustimmt, kriegen bei mir 17-jährige Mädchen eine neue Oberweite."

Knut Schirrmacher vom St. Adolf-Stift in Reinbek fordert für seine Eingriffe gern Bargeld. Eine Brustvergrößerung kostet bei ihm 3500 Euro. Zu den Kunden gehören auch Frauen aus dem Rotlichtmilieu von Sankt Pauli. Nonnen assistieren bei der Arbeit.

Aber müssen Chefärzte in staatlich alimentierten Krankenbetten Gesäße straffen oder jungen Mädchen Fremdkörper unter den Brustmuskel schieben, nur weil sie glauben, hässlich oder unattraktiv zu sein? Wo endet der Heilberuf? Wo fängt die Geschäftemacherei an?

Norbert Schwenzer von der Uni-Klinik Tübingen wischt solche Bedenken vom Tisch. Der Mediziner hat die neue Leitlinie der ästhetisch-plastischen Chirurgen am griffigsten formuliert. Sein Motto: "Ein unvorteilhaftes Äußeres besitzt an sich einen Krankheitswert."

Die Glitzerärzte um Doktor Mang sehen das genauso. Schon bald werde der Gang zum Hautschneider so selbstverständlich sein wie ein "Friseurbesuch", hofft der Arzt aus Lindau.

Und auch sein Adlatus, der Hamburger HNO-Mann Friedrich, sieht eine rosige Zukunft voraus. Schönheitsbewussten Frauen empfiehlt er folgenden Beauty-Plan: "Mit Ende 20 das erste Peeling, dann etwas Botox und Lasern. Mit 50 Jahren das erste Facelift, das zweite mit 65."

In dieser aufgeheizten Atmosphäre muss die Zunft ihren Standort finden. Jahrzehntelang haben Plastische Chirurgen Verbrannte versorgt und zerrissene Glieder angenäht und dabei ungeheure Operationstechniken ersonnen. Nun schlagen auch sie den Weg ins Fegefeuer der Eitelkeit ein.

"Wir erleben einen Triumph unserer Disziplin", sagt der Schönheitsmediziner Plogmeier, in dessen Praxis auf dem Ku'damm sich die Kunden drängen.

Dann macht er die Tür zum Wartezimmer zu und hält plötzlich inne: "Nur, wie überleben wir diesen Sieg"?

MATTHIAS SCHULZ

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  http://www.schoenheit-und-medizin.de/aesthetisch_plastisch/bodylift.htm

 

Pressemitteilung der VDÄPC 19.06.2002

Bauch, Schenkel, und Po - straff in nur einer OP

 

Amerikaner sind Meister der Rationalisierung. Dies gilt auch für den Schönheitschirurgen Ted Lockwood aus Overland Park/Kansas: Der Plastische Chirurg aus den USA entwickelte eine OP-Technik, mit der sich in einer einzigen Operation die Haut aller Problemzonen wie Bauch, Hüfte, Oberschenkel, Gesäß und Rücken straffen lässt. Dr. Dirk Richter, Chefarzt für Plastische Chirurgie im Dreifaltigkeits-Krankenhaus in Wesseling: „Dafür gab es bislang nur Einzelschritt-Lösungen mit oft enttäuschenden Ergebnissen und ohne eine wesentliche Verbesserung der Hautqualität. Bei der von Lockwood entwickelten Methode sind die Konturübergänge fließend, die Verbesserung der Hautreliefs auch nach vorangegangener Fettabsaugung mit Dellenbildung dramatisch.“ Auf dem diesjährigen Jahreskongress der Plastischen und Ästhetisch-Plastischen Chirurgen Deutschlands (27.-29. September) demonstrierte Dr. Richter seine erweiterte Body-Lift-Methode, die er bei Lockwood gelernt hat.

Geeignet ist sie vor allem für Patienten, bei denen die Haut nach extremer Gewichtsabnahme (30 – 80 Kilogramm), altersbedingt oder durch eine Gewebeerschlaffung anderer Ursache ihre Elastizität und Spannkraft eingebüßt hat oder wenn die Proportionen des Unterkörpers überhaupt nicht mehr stimmen. Der Vorteil der von Lockwood entwickelten OP-Technik: Es gibt nur eine Narbe. Die allerdings kann bis zu 170 Zentimeter lang sein. Richter, der bereits über 100 Patienten nach der Lockwood-Methode operiert hat, ist begeistert: „Die objektive und subjektive Verbesserung der Hautqualität, insbesondere im Bereich der Oberschenkelaußenseiten ist signifikant. Dies beweist auch die Zufriedenheit der Patienten: 96 Prozent bezeichneten das ästhetische Ergebnis als gut bis sehr gut, und alle würden sich erneut operieren lassen.“

Auch Dr. Joachim Graf von Finkenstein, Plastischer Chirurg aus Starnberg in Oberbayern, hat schon 25 Patienten nach der neuen Methode operiert. Er nennt die Nachteile: „Mit drei bis sechs Stunden dauert die Operation vergleichsweise lang und muss wegen des möglichen hohe Blutverlusts sorgfältig vorbereitet werden. Die postoperative Pflege ist wegen der großen Wundfläche aufwendig, und das Spannungsgefühl in den gestrafften Arealen kann bis zu sechs Monaten anhalten. Der stationäre Aufenthalt ist im Vergleich zur Gesamtliegedauer der bisherigen Einzelschritt-Operationen allerdings deutlich kürzer: Er liegt bei etwa einer Woche.“ Und auch die lange Narbe, so seine Beobachtungen, verliert durch zu den Zugewinn an Hautqualität und Körperkonturen offensichtlich an Bedeutung. Zumal sie an Stellen liegt, die man im alltäglichen Leben ohnehin nicht zur Schau stellt.

Die Rehabilitation dauert zwischen zwei und acht Wochen. Dabei können die Patienten in der Regel nach drei bis sechs Wochen wieder ihrem Beruf nachgehen. Bis Sport und andere bewegungsintensive Tätigkeiten ausgeübt werden können, sollten allerdings mindestens sechs bis acht Wochen seit dem Eingriff vergangen sein. Erfreulich: Mit 8.000 bis 15.000 Mark sind die Kosten für den Eingriff vergleichsweise günstig. Dr. Joachim Graf von Finkenstein: „Die neue Kleidung, die nach dem Eingriff nötig sein wird, kann teurer sein.“

 

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Murad soll wieder sehen können

Bild: HC
 
Chefarzt Dr. Dirk Richter und sein kleiner Patient Murad
 

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Wesseling - Den Kopf hat Murad weit in den Nacken gelegt, als er ins Zimmer kommt. Etwas schüchtern blinzelt der Vierjährige Dr. Dirk Richter von unten herauf an. Dann huscht ein leichtes Lächeln über sein Gesicht - in dem Moment, als Richter ihm über den Kopf streichelt und mit warmer Stimme sagt: „Das machen wir schon.“ Der Junge kommt aus Tadschikistan, deswegen versteht er die Worte des Mediziners nicht. Aber die Geste ist klar: Der Chefarzt der Plastischen Chirurgie im Wesselinger Dreifaltigkeitskrankenhaus hebt ihm behutsam mit den Fingern die Augenlider an.

 

Seit seiner Geburt leidet Murad an der Krankheit „Ptosis“, an Lidhebeschwäche. Die Muskeln, die für das Heben der Augenlider zuständig sind, werden immer schwächer. Die Augen des Jungen sind kaum noch geöffnet. Durch sein minimales Blickfeld verkümmert auch die Netzhaut. Murad droht zu erblinden.

Dirk Richter will helfen. Gemeinsam mit zwei weiteren Ärzten und drei Schwestern wird er heute Murads Lidmuskeln operativ verkleinern. Zwei Stunden lang soll die OP, die Richter mit Hilfe eines Mikroskopes vornimmt, dauern. Äußerste Konzentration und eine ruhige Hand sind erforderlich. Denn im Bereich der Augen verlaufen viele winzige Nerven und Gefäße. Richter ist zuversichtlich, dass die Operation gelingt. Schließlich werden in der Plastischen Chirurgie in Wesseling jährlich 600 solcher Eingriffe vorgenommen.

Das ist auch der Grund, warum sich die Hilfsorganisation „Friedensdorf International“ aus Oberhausen mit Murads Fall an Richter gewandt hat. Das Dreifaltigkeitskrankenhaus in Wesseling gilt als Referenzzentrum für Lidchirurgie. Die normalerweise rund 6000 Euro teure Operation übernimmt das Krankenhaus - liebevolle Betreuung inklusive. Damit war Dr. Johannes Güsgen sofort einverstanden. Der Junge mit dem zurückhaltendem Lächeln hat sofort das Herz der Schwestern und der Ärzte erobert. Neben ihren Gesichtern wird ein Teddy das erste sein, was der kleine Murad nach der Operation sehen wird. Den Plüschfreund hält Dirk Richters fünfjährige Tochter Leonie bereit. Das Mädchen hat den Teddy vor kurzem gewonnen und hat sofort beschlossen, ihn dem kleinen Jungen aus Tadschikistan zu schenken.


(KStA)
 
 



 
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Schönes für die Schönen

Bild: Schirge
 
Gepackte Kisten im Wartezimmer: Dr. Dirk Richter
 

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Aus dem Keller des Schwesternwohnheims zieht die Praxis der Wesselinger Abteilung in neue Räume.

Wesseling - Geräucherte Eiche für das Parkett, Designer-Waschbecken selbst auf den Toiletten, helles Licht überall, rundum Garten - das Dreifaltigkeitskrankenhaus in Wesseling lässt sich die neuen Räume für sein Aushängeschild, die Plastische Chirurgie, 800 000 Euro kosten. Nach Plänen des Kölner Designers Marc Meiré ist der 600 Quadratmeter große Bereich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes nun für die Praxis der Abteilung ausgebaut worden. Dort werden die Patienten vor und nach Operation und stationärem Aufenthalt betreut.

Die ehemalige Außenwand mit ihren Fensterbögen ist als Zwischenwand auf dem Flur stehen geblieben und unterstreicht nun das elegante Ambiente des Domizils des Teams unter Chefarzt Dr. Dirk Richter, der auch der ärztliche Direktor das Krankenhauses ist. „Hier wird kein Kopierer einfach so rumstehen“, sagt der Arzt und weist auf die weißen grifflosen Schrankfassaden, hinter denen alles verschwindet. Drei Behandlungsräume, drei Zimmer für die Oberärzte, eines für den Chef, Warte- und Konferenzraum, Fotolabor und Bibliothek sind Bestandteile der Praxis, die jährlich von knapp 2200 Patienten besucht wird.

Patienten aus dem Ausland

Und die sollen nicht mehr über den Hinterhof, vorbei an Mülltonnen, Garagen und einem Hühnerstall in die Katakomben des Schwesternwohnheimes geleitet werden, wenn sie ihr Äußeres verschönern lassen wollen. Zumal es sich für die Abteilung mit internationalem Ruf oftmals um gut zahlende Patienten aus dem In- und Ausland handelt. Das ganze Spektrum der plastischen Chirurgie bieten die Wesselinger an, wobei die Lid-Chirurgie nach Tumoren und Unfällen, die Korrektur von Basedow-Augen, die Brustchirurgie und das Ganzkörperlifting nach schweren Gewichtsreduktionen ihre Spezialgebiete sind. Auch am Dreifaltigkeitskrankenhaus ist der Rückgang der kassenfinanzierten Operationen auf diesem Gebiet zu spüren. Er mache zehn bis 15 Prozent aus, sagt Chefarzt Richter und bedauert darunter aus seiner Sicht „eindeutige Fehlentscheidungen“.

Allerdings versichert der Mediziner, dass der Rückgang mit Selbstzahlern ausgeglichen werde, seine Abteilung also trotzdem ausgelastet sei. So beeilten sich denn die Mitarbeiter am Donnerstag und Freitag mit dem Umzug, damit die Patienten in der kommenden Woche das schicke neue Wartezimmer mit Blick in den eigens angelegten Garten mit Goldfischteich in Besitz nehmen können. In den Arztzimmern wird es im Übrigen keine Schreibtische geben. Richter: „Arzt und Patient sollen gleichberechtigt miteinander umgehen. Sie werden gemeinsam an einem Tisch sitzen.“